Was tut man, wenn Regine Heidorn von Regines Radsalon dich antextet,
ob du nicht Bock hast, beim Game of Toiletpaper mitzufahren?

Na?

Genau. Feststellen, dass man keine Ahnung hat, worum es geht und zusagen.

So passiert am vergangenen Wochenende. Das Ganze stellte sich als virtueller Alleycat heraus. So richtig mit sehr realem Manifest und sehr realer Fahrradstrecke und hoffentlich sehr realer Spokecard. Ich hatte mir im Vorfeld eine Strecke gebaut, welche (Danke an Hermann Daniel für die Idee) aus Ortschaften besteht, welche die Buchstaben von "TOILETPAPER" als Anfangsbuchstabe haben.

Unterwegs gab es einige Aufgaben zu erledigen, die sich irgendwie fast wie von selbst in die Tour einfügten. So wusste ich am Sonntag früh noch nicht, wie ich Zusatzpunkte für "Mache ein Selfie mit Brücke und Tier." erhalten sollte. Dann, ganz plötzlich und einfach so, stand dann der Kerl mit seinem Retriever auf der Hörselgauer Autobahnbrücke. Zack, Selfie, erledigt. Und so fügte sich ein Checkpoint an den nächsten. Es war mir ein Genuss obwohl zum Ende hin dann doch ganz schön zäh. Hier könnt ihr einen Teil der Tour verfolgen:

 

2021 is rum - Haken dran, reden wir nicht drüber.
Ob 2022 besser wird? Darüber lässt sich trefflich philosophieren. Darüber nachzudenken ist mir zu müßig, dafür verschwende ich keine Energie. "Besser" heißt ohnehin für jeden etwas anderes.

2022 heißt für mich, ein weiteres Jahr mit meiner wunderbare Ehefrau verbringen zu dürfen. Es heißt für mich, ein weiteres Jahr in der Lage zu sein, mich auf dem Fahrrad auspowern zu können.

Im Frühjahr und Sommer stehen ein paar wirklich schöne Events an. So werde ich wieder einmal das Saarland durchqueren. Ich werde zu Gast im Super Berlin Express 747 sein. Beim Bratwurstrace, man munkelt, dass es das letzte sein wird, werde ich viele bekannte und vielleicht sogar auch ein paar unbekannte Gesichter treffen. Zwischendurch gilt es beim Velofondo den Lausitzring kennenzulernen und mit der Lemberger Guerilla die Runden zu drehen. So wie es im Moment aussieht, wird es wohl auch ein Schlaflos-im-Sattel-Reunion in Weidenthal geben.

Aber das Highlight des Jahres wird wohl unsere Urlaubsreise werden. Wir planen, und ich weiß, dass einige von euch schon darauf warten, eine Radtour von Schengen über Trier, die Mosel hoch bis Koblenz. Von dort aus den Rhein stromabwärts bis irgendwo hinter Düsseldorf, dann links ab über Arheim bis Dordrecht - kurz vor Rotterdam. Mit den Rucksäcken im Anhänger wird das Abenteuer an der Haustür beginnen und auch dort enden.

Ob das alles so klappt? Keine Ahnung. Das was ich dafür tun kann, werde ich tun. Ob das reicht, werde ich wissen, wenn es soweit ist.

 

Herbsturlaub auf Amrum und auf dem Rückweg noch kurz bei meinem Freund Mario in Borgstedt reinschauen. So war der Plan. Gut, dass ich das Fully dabei hatte.
Mario und die Hütti Trail Builder haben im Naturpark "Hüttener Berge" zwischen Rendsburg und Eckernförde ein richtig starkes Stück MTB-Trail gezaubert.

Gespickt mit zahlreichen Highlights jumped man sich ganz legal durch den Wald ohne Langeweile und Irrfahrten. Der bestens ausgeschilderte Pfad ist gespickt mit Drops, Tables, Anliegern, Downhill- und Uphill-Passagen. Über 500Hm gibt es hier alles was das MTBer-Herz begehrt. Hier gibt es zwischen Nord- und Ostsee ein "Bällebad" für Mountainbiker.

Nach dem exzessiven Bikeherbst 2020 hat sich bei mir in diesem Jahr ein massives Motivationsloch aufgetan. Dies auch mit Fahrten zum und vom Büro zu schließen, nunja - es brauchte Ideen. Eine mögliche Option war Curt.
Curt ist ein leichtes Pedelec der estnischen Firma Ampler-Bikes aus Tallin.  
Singlespeed mit Riemenantrieb sollte es sein, schwarz wie die Nacht und agil, wie es Singlespeedern eben eigen ist. Würden alle Teile vorrätig sein?
Ampler hat Wort gehalten - gestern war Lieferung. Zügig zusammengebaut und mit kleinen farbigen Highlights komplettiert, war gestern nachmittag die erste (richtige) Probefahrt.

Die beiden Unterstützungsstufen werden mit einer Smartphone-App programmiert. Funktioniert ohne Tadel, Übersetzung und Funktion der App sind beispielhaft. Die Einknopfbedienung am Bike ist etwas gewöhnungsbedürftig. So wie immer gilt, je weniger Bedienelemente, desto komplizierter die Bedienung. Ich hätte mir zumindest zwei Tasten, getrennt für Unterstützungsmodus und Licht, gewünscht. Aber gut, nobody is peferct. Akku geladen, warme Klamotten an und los, den ersten Anstieg in Gotha-West erklettert. Unter Berücksichtigung des Gewichtes von 13.5kg, der recht scharfen Übersetzung von 60/20 und dem Vergleich mit dem Bio-Singlespeeder (46/16) schiebt der Motor ganz gut mit. Gerade beim Anfahren, macht das schon ziemlich Laune. Soviel, dass die Abregelung bei 25km/h fast als Spaßbremse zu werten ist. ;-) Naja, ist halt kein Moped. Der Riemenantrieb wirkt ob seiner Laufruhe zunächst verstörend und Stehversuche an der Ampel sollte man sich gut überlegen. Wenn durch eine unvorsichtige Bewegung der Drehmomentsensor dem Motor zuruft "mach hinne Mensch", dann hilft nur ein beherzter Griff zur Bremse, um nicht dem Vordermann auf der Stoßstange zu sitzen.
Das Bike ist solide verarbeitet und klar auf All-Wetter-Betrieb ausgerichtet. Beleuchtung, Schutzbleche, Antrieb, Schraubgriffe - kurz - das ganze Bike macht einen wertigen Eindruck und kommt in mattschwarz daher wie ein Stealth-Bomber. Was mich überzeugt hat, ist der Einsatz von fast ausschließlich Standardkomponenten. Im Gegensatz zu manchem Mitbewerber sind viele Teile einfach austausch- und anpassbar.
In der Ebene ungezügelte Power und am Berg zumindest eine Hilfe, so stellte sich Curt bei mir vor. Wir werden wohl Freunde werden, soviel steht schonmal fest.

Die #radbengelz haben gerufen und einige sind tatsächlich diesem Ruf gefolgt. Auch ich habe mir an diesem 2. Oktober also mein Orange geschnappt und bin dem Ruf des "Social rides" gefolgt und nach Bad Salzdetfurth aufgebrochen. Stefan und Kai hatten eine kleine aber feine Runde durch die "niedersächsiche Schweiz" ausbaldowert. Kai holte mich vom Bahnhof ab und kurze Zeit später standen wir mit einer Handvoll weiterer gravelbegeisterten RadlerInnen am Bikepark Bad Salzdetfurth und warteten auf den Startschuss.

Bereits nach den ersten Kilometern zeigte Ungers Profitipp #23 "Wer in der Startaufstellung friert, ist für's Rennen richtig angezogen.", seine endlose Weisheit *lol* - wir entledigten uns also einen Teil unserer Kleidung. Die ersten Anstiege hatte uns aufgeheizt. Mühlen, Wehre, Klöster zogen an uns vorbei, die Feldwege unter den Reifen waren trocken und so kamen wir gut voran bis zum Verpflegungspunkt "Klosterstübchen". Bei Kaffee und Himmelstorte plapperte Kai über Bergbau, Salz und Wasser. Nun, die erste Hälfte war geschafft, das Wetter passte und so war der zweite Teil auch kein Problem.

Zurück am Bikepark blieb noch Zeit für ein Bier und eine Besichtigungsrunde. Und nach schneller Verproviantierung brachte mich Kai wieder zum Bahnhof. Das war ein richtig geiler Tag. GravelInTheSheest reiht sich damit, zusammen mit SaarVertikal, LembergerGravel und Bratwurstrace, in eine Reihe von Fahrrad-Events ein, die aus der Corona-Pandemie erwuchsen, diese aber mit Sicherheit überleben werden.